Was wäre, wenn Aufklärer erst einmal aufgeklärt werden müssten?

Heute ist Eure Fantasie gefragt!

Stellt Euch vor…

Stellt Euch vor, Ihr [Du und der Rest der Welt] hättet noch nie einen Magneten gesehen, Ihr hättet keine Ahnung von Magnetismus. Von positiven und negativen Polen. Dass Metall auf einem Magneten kleben bleibt.

Könnt Ihr Euch das vorstellen? Gut. Ihr habt also keinen Schimmer von Magneten.

Dann, eines schönen Tages, taucht ein Mann auf, der zwei Magneten präsentiert. Er zeigt, wie sich die kleinen, schwarzen Würfel abstoßen und anziehen. Durch Zauberhand bewegen sich sich die Magneten. Eine unsichtbare Kraft scheint dort zu wirken.

Du bist voll aus dem Häuschen und fragst Dich, wie dieser seltsame Magnetismus funktionieren könnte. Du willst Dir schon ein T-Shirt mit “Magnetism Rulez!” kaufen.

Doch am nächsten Tag erscheint in der größten Zeitung des Landes ein Aufklärungsbericht. “Magnetismus größter Humbug seit Menschengedenken” springt Dir in fetten Lettern entgegen.
Ein bekannter [möglicherweise europäischer!] Zauberer deckt das Magnetismus-Rätsel auf. Mit unsichtbaren Nylonfäden, die sich jeder aus einer alten Damenstrumpfhose basteln könne, würden die so genannten Magnetwürfel bewegt.
In einer Fotostrecke wird gezeigt, wie man sich die Fäden beschafft und an metallischen Klötzen anbringt. Dass die Magneten sich plötzlich abstoßen, werde durch ein einfaches Zusammenpressen von Daumen und Zeigefinger erreicht. Dadurch “flitschten” die Würfel auseinander. Das Zusammenkleben hingegen werde einfach durch Sekundenkleber erreicht. Möglicherweise würden die “Magneten” auch durch einen einfachen Taschenspielertrick gegen zwei verschweißte Metallwürfel ausgetauscht, sodass niemand diese mehr trennen könne.
Der Magnetismus ist also entlarvt! Es gibt ihn nicht.

[Natürlich bestelltst Du Dir kein T-Shirt mehr.]

Gibt es jetzt wirklich keinen Magnetismus mehr, nur weil jemand erklärt hat, wie man ihn mit Tricks erreichen kann?
Reicht es, zu sagen, wie man etwas erreichen könnte? Gibt es das Phänomen deshalb nicht mehr?
Oder müsste man den “Magneten-Mogler” nicht wirklich mit den Nylonfäden in der Hand erwischen?
Was ist, wenn einige Jahre später Magneten wirklich entdeckt werden? Was ist dann mit dem vormals so gerühmten Aufklärer?
Und selbst wenn Magneto ein Pfuscher ist, durch wen bekommen wir die Verantwortung auferlegt, ihn zu entlarven? Durch unser Gewissen oder unser Verlangen als Mr. Schlau selbst in die Presse zu gelangen?

Das Gleiche frage ich mich derzeit bei den ganzen Aufklärungsbeichten. Wie viele absolut falsche Erklärungen geistern zur Zeit durch die Presse? “Aufgedeckt” von angebelichen Meistern ihres Faches, die sich ihren Bekanntheitsgrad erst durch die entsprechende Zeitung attestieren müssen.  
Reichen die Erklärungen, die einem Insider das Schmunzeln ins Gesicht treiben aus? Und wofür reichen sie aus?
Sicher, man kann nicht immer alles wissen. Aber wenn man echt keine Ahnung hat, dann könnte man doch einfach mal den Mund halten.
Und wenn ich eine Riffelforce sehe, wo’s gar keine gibt, dann doch bitte erst recht…

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  1. Hexenjagd auf Zauberer – Trickerklärungen oder warum Zauberer auf einmal alle petzen müssen.

3 Kommentare

..die meistgenannte – falsche – erklärung – ist: Die stars spieln alle mit…. das ist die erklätung für die die wirklich garnix verstehn….

1. polami Kommentar vom 22. Januar 2008 um 12:16

Es gibt ja genügend Zauberkünstler, die keinen Hehl daraus machen, dass sie Mentalmagie für eine fehlgeleitete Form der Zauberei halten. “Anständige” Zauberer führen ihre Tricks vor und basta. Das Wittus Witt-Interview auf http://ug.gwup.org/index3.html ist ja recht vielsagend: “Im Grunde genommen führen sie [die Mentalisten] die Zauberkunst dorthin zurück, wo sie einmal herkam: auf den Jahrmärkten und Gauklerbühnen des Mittelalters, als sie als Scharlatane verschrieen waren.”

Da gibts leider viele, die glauben, ihre Form der Zaubervorführung sei die einzig richtige, Close-Up Spezialisten jammern darüber dass Copperfield seine Tricks ja allesamt einkauft, und für die ja keine handwerkliche Begabung notwendig ist, Bühnenzauberer beneiden Showhypnotiseure um deren Erfolg, und die Fernsehzauberer erst, die arbeiten ja ohnehin alle mit Kameratricks, und zeigen nur die gelungenen Vorführungen (no na) und das Publikum besteht ohnehin ausnahmslos aus Komplizen.
Neid und Missgunst sind halt in jedem Beruf vorhanden, und so kommt manchen, die ohnehin keine Freude mit dem Mentalismus haben, die Pro7 Show nur recht, um unter dem Vorwand, die ach so armen Fernsehzuschauer vor Betrug schützen zu müssen, die ungeliebten Kollegen ein wenig durch den Kakao zu ziehen. Ich will nicht behaupten, die Trickerklärer seien allesammt nur neidige Kollegen, aber einige sind sicher dabei.

2. herb Kommentar vom 22. Januar 2008 um 15:27

Soll das heißen, dass das gar keine Zaubertricks sind, sondern die mit unsichtbarer Energie funktionieren?

3. Patrick Pricken Kommentar vom 22. Januar 2008 um 21:22