Warum ich so böse bin

Tja, wir sind schon schlimme Finger. Da sagen wir (die Autoren dieses Blogs) unsere Meinung in Form von kritischen Kommentaren und erdreisten uns nicht einen Trick zu verraten.
Die derzeitige Entwicklung rund um The Next Uri Geller bereitet mir heftige Kopfschmerzen.
Aufgrund dieses Unmuts schreibe ich gerne Berichte mit dem einen oder anderen Seitenhieb und möchte hier einmal darlegen warum.
Persönlich bin ich was Mentalismus angeht ein ziemlicher Purist, flammender Liebhaber und Praktizierender dieser faszinierenden und seltenen Kunstform.
Für mich ist ein echter Mentalist (nicht ein Mentalmagier) nicht einfach ein Zauberer, sondern beide sind verschiedene Spezies mit gemeinsamen Stammbaum.
Der Mentalist ist scheinbar ein Vertreter einer dunklen Kunst. Er kann Gedanekn lesen, die Zukunft vorhersehen oder Menschen beeinflussen. Aber zu welchem Zweck? Das Ziel eines jeden echten Mentalisten ist es nicht nur zu unterhalten, sondern zu erstaunen, zu verblüffen und den Zuschauern dies nährende Gefühl zu geben, das es mehr gibt zwischen Himmel und Erde. Er zaubert (wenn er gut ist) den Glanz des Erstaunens, den sonst nur ein Kinderauge haben kann, ins Antlitz selbst der Menschen, die sonst schon alles gesehen haben. Er lässt die Zuschauer sich wundern. Und welcher Mittel bedient er sich um Menschen eine gute Zeit zu verschaffen? (Das wird wehtun) ER LÜGT! Das wichtigste Handwerkszeug eines JEDEN Mentalisten ist die Kunst die Wahrheit zu verschleiern! Denn er ist ein Mentalist und kein Nachrichtensprecher der vom nächsten verhungerten Kind im Plattenbau erzählen soll. Der Mentalist biegt die Realität, die Wahrheit und die Menschen, bis die Simulation eines Wunders entsteht. Diese Wunder sind es, die uns allen das Leben versüßen, denn der Alltag ist grausam und zynisch genug! Hier setzt nun der Chor der Aufklärer ein, die laut “Volksverdummung” schreien. Mal ehrlich: Es schadet den Menschen erheblich weniger, wenn Uri Geller ständig positives Denken und “good vibrations” unter das Volk bringt, als die Armee von Halsabschneidern und Scharlatanen die ungestraft davon kommen.
Hallloooo? Wir haben ganze Fernsehsender, auf denen rund um die Uhr Karten gelegt und mit Engeln gesprochen wird, um Profit aus der Hilflosigkeit der Schwachen zu schlagen. Krebskranke Kinder werden von Wunderheilern zu Tode kuriert, weil die Heilsbringer gewissenlos in die eigene Tasche wirtschaften. Aber wenn dann mal wirklich ein Patient geheilt wird, fällt sofort das gute alte “Wer heilt hat Recht”. Medien sprechen mit den Toten und kassieren, wo Psychologen die Narben einer Seele kurieren sollten (Ja, Vincent Raven, mit Dir hätte ich vielleicht dann doch ein Hühnchen zu rupfen). Anstatt die gefährlichen Scharlatane an die Öffentlichkeit zu zerren hat sich eine Kultur entwickelt, die in aller Öffentlichkeit lieber ihre Künstler in der Luft zerreißt, die nichts anderes wollen als UNTERHALTEN! Also das nenne ich zynisch!
Es ist unerträglich, dass die bei pro7 auftretenden jungen Mentalmagier (Mentalisten müssen die alle erst noch werden) sich alleine schon dadurch schuldig gemacht haben, dass sie einfach eine Chance ergriffen haben, die sie für richtig hielten. Nun, gefangen in einer Medienmaschinerie, die sie mit Titeln bedeckt die sie nicht haben wollten, werden die armen Kerle von der einen Seite gegängelt und von der anderen Seite getreten. Diese jungen Leute wollen:
1.)Geld und Karriere – LEGITIM, wird jedem Anderen auch zugestanden
2.)Menschen unterhalten – LEGITIM, welch ehrenvolle Aufgabe
3.)Menschen verblüffen – LEGITIM, Befriedigung eines Menschlichen Bedürfnisses
4.)Ihren Traum leben – LEGITIM, LEGITIM, LEGITIM
Wer klar denken kann, muss erkennen, das diese Magier (selbst wenn sie schwammige Aussagen über ihre “Kräfte” treffen) nicht zu vergleichen sind mit all den okkultscharlatanen die unbehelligt weitermachen. Die meisten Kritiker können einfach nicht in einer Welt leben, in der es rein hypotetisch Menschen gibt, die einfach mehr können als sie selber. Also rammen wir Superman das Kryptonit in den Rücken, weil wir anderen nicht fliegen können!
Daher verurteile ich jeden, der aufgrund seiner Profilneurose den Hammer auspackt und in seinen 15 Minuten Ruhm brutal den Weihnachtsmann ermordet!
Und warum Kritisiere ich dann auch noch die Mentalmagier selber? Weil sie einfach nicht so gut sind wie sie sein könnten und es diese uralte Kunst verdient hat!

PS: Übrigens fordere ich das Verbot von: Spezialeffekten, Filmtricks, CGI, Schminke, Schönheitschirurgie, dem Fernsehen, Filmen generell, Märchenerzählern und dem Weihnachtsmann, weil mir all das und noch viel mehr falsche Tatsachen vorspiegelt und mich damit verdummt! Ich bin nämlich, wie wohl die meisten anderen auch, offenbar nicht im Besitz von gesundem Menschenverstand!

Nachtrag im Bezug auf Kommentare: Ich möchte abschließend einmal deutlich sagen, dass ich die in der Sendung auftretenden Mentalmagier nicht generell von Fehlentscheidungen und falschem Verhalten freispreche. Auch denen unterstelle ich genug Verantwortungsbewusstsein, um zu wissen auf welchen Teufelskreis sie sich da einlassen. Die Bemerkung in einem der Kommentare, dass die Show mit ihrer sturen Behauptung von paranormalen Phänomenen den großen Scharlatanen in die Hände Spielt, ist durchaus berechtigt. Allerdings muss in erster Linie der Sender und die Produktion verurteilt werden, die diese Aussagen erzwingen. Aber selbst wenn die Mentalmagier ihre Darbietungen mit dem heute so üblichen “das ist Psychologie” und NLP erklären würden, würden sie erneut lügen und der nächsten Millionenindustrie in die Hände spielen.
Was hier von BEIDEN Seiten (Fernsehen und Kritikern) verpasst wurde, ist es den schmalen Grad zwischen den Extremen zu finden (was übrigens den Profi ausmacht). Das Fernsehen hätte besser klarmachen sollen, dass das Publikum unterhalten werden und zum Rätseln angeregt werden soll, anstatt die Zuschauer dauernd mit dem Geschwafel von Phänomenen zu bombardieren. Die Kritiker wiederum haben auch ein Recht auf ihre Meinung, aber die Mittel in diesem Fall sind überzogen! Skeptische berichte über das Thema, in den erklärt wird, DAS Tricks benutzt werden aber nicht WELCHE (eventuell am Beispiel weniger Klassiker) wären das Mittel der Wahl gewesen. Fotostrecken, in denen jeder einzelne Teilnehmer bloßgestellt wird sind einfach nicht zu rechtfertigen. Denn schließlich sollte dem Bürger auch nicht das Denken vollends abgenommen werden, sonder man sollte das kritische Denken fördern.

Auch interessant:

  1. Warum seid ihr nur so böse
  2. Farid und Alexander Hartmann – Mut bei TAFF
  3. Hexenjagd auf Zauberer – Trickerklärungen oder warum Zauberer auf einmal alle petzen müssen.

16 Kommentare

Whow – den Nagel auf den Kopf getroffen, das kann wirklich nur einer schreiben der am Mentalismus hängt.
Ich bin ja selbst nur Hobbyist, aber ich nehme das ganze immerhin so ernst, dass ich mich nie erdreisten würde, einen Trick zu versuchen, den ich nicht ordendlich kann. Der Vortrag muss stimmen, der Zeitpunkt muss stimmen, und natürlich der Trick selbst muss auch sitzen, und bevor ich etwas schlecht mache lass ich’s bleiben. – Insofern ist die Kritik an den Zauberkünstlern, die da von Pro7 in den Mentalismus getrieben wurden angebracht. Allerdings auch die Kritik an jenen, die, um die Welt vor dem unmittelbar bevorstehenden geistigen Rückfall ins Mittelalter zu retten Trickverrat betreiben.

Insgessamt wird um die Pro7-Show unverhältnissmässig viel Wind gemacht. Und wenn mir das alles auch nicht unbedingt gefällt (vor allem Vincent Ravens geschmacksloser Auftritt) so ist es wirklich nicht das Schlimmste, was an Unvernunft im Fernsehen stattfindet.

Im Oktober letzen Jahres hatte der ZDF eine Sendung mit Joachim Bublath ausgestrahlt, die sich kritisch mit Wunderheilern, Homäopathie, Heilpraktikern und ähnlichem auseinandergesetzt hat. Nach der Sendung bekam der Sender Druck von der Alternativmedizin-Lobby, worauf hin der ZDF die Sendung aus seiner Online-Mediathek entfernt hat. – DAS ist etwas, das Schlagzeilen machen sollte, da gehts um eine Millionenindustrie, die im besten Fall reines Wasser zu Goldpreisen, im schlimmsten aber Gesundheitsschädliches verkauft. Aber da gab’s keinen großen Aufschrei der Wächter über den Geisteszustand des Abendlandes, abseits der einschlägigen Seiten wie der der GWUP und den Skeptiker-Blogs wurde das Thema totgeschwiegen.

Auch über Sekten, die viele Menschenleben zerstört haben hört man selten offene und ehrliche Kritik in den ach so auf Information bedachten Medien, denn die haben ja eine Lobby & Anwälte, und das könnte unangenehm werden.

Kritik an der Sendung von Pro7 ist also sicherlich angebracht, und auch vernünftige Aufklärung, aber die richtige Perspektive sollte man auch behalten, es gibt viel schlimmeres, das angeprangert und bloßgestellt werden muss.

1. herb Kommentar vom 18. Januar 2008 um 03:14

Bei allem Respekt — über die Kandidaten selbst regt sich ja wohl kaum jemand auf. Obwohl die ehrlich gesagt auch einen Fehler gemacht haben, und zwar dadurch, daß sie beim Durchlesen ihres Vertrages nicht ein bisschen besser aufgepasst haben. Über seine eigenen Methoden zu lügen ist eben nicht legitim. Ja, ein bisschen “flavour text” gehört dazu, gerade für Mentalisten. Aber man kann nicht ausserhalb der Show auf Biegen und Brechen behaupten, eben _kein_ Magier zu sein und sich dann Wundern, wenn man angegriffen wird! Egal, wieviel Geheimniskrämerei betrieben wird, KEIN vernünftiger Mentalist wird wirklich behaupten wollen, paranormale Fähigkeiten zu haben! Im Gegenteil – wenn ich lange an meiner Kunst arbeite, will ich, daß diese Arbeit als solche anerkannt wird und nicht als “vom Himmel gefallene” Fähigkeit! Das mindert das hervorgerufene Staunen nicht im Allergeringsten!
Wenn man vertraglich zu solchen Aussagen gezwungen wird, weil man aus Naivität einen Vertrag einfach so unterschrieben hat, ist das schade. Aber man sollte bedenken, daß es durchaus junge Magier gibt, die diesen Vertrag aus genau diesen Gründen abgelehnt haben.

Und nun zu “es gibt schlimmeres”: Ja, gibt es. Aber diese Show spielt _genau diesem_ schlimmeren in die Hände. Durch das gesamte völlig kritikfreie Umfeld werden alle diese Behauptungen — Wunderheiler, Homöopathie, Heilpraktiker, Medien, Astrologie, Kartenleger — weiter legitimiert und untermauert, und an sich schon für diesen Unsinn empfängliche Zuschauer werden in ihrem Glauben bestärkt. Wenn mit der Show nichts als Unterhaltung bezweckt werden soll, soll sie gefälligst auch so präsentiert werden. Das wird sie aber eben nicht! Daher verurteile _ich_ jeden, der diese Schützenhilfe für die wirklich schlimmen Scharlatane verharmlost!

Diejenigen, die sich aus genau diesen Gründen über diese Show aufregen, sind meistens auch diejenigen, die sich gegen die Astrosender, gegen Astrologie etc. stark machen. Ist es wirklich so verwunderlich, daß denen die Galle hochkommt, wenn dieser Betrug auch noch im Abendprogramm legitimiert wird und dazu beiträgt, daß _jeder_ Betrug mittels ‘paranormaler’ Behauptungen weiterhin getrost ignoriert wird?

2. quantumduck Kommentar vom 18. Januar 2008 um 06:43

Ein Addendum. Glaubt wirklich jemand, daß dieses allgemeine Verraten von Tricks stattfinden würde, wenn _nicht_ abgestritten würde, daß überhaupt mit Tricks gearbeitet wird? Wenn Erklärungsversuche gemacht werden, liegt das nicht an der Lust daran, den Weihnachtsmann zu meucheln, sondern daran, daß aufgrund der Prämisse “Mit Tricks geht das nicht, alles ist paranormal” der Aberglaube nur durch den Beweis, das es eben doch mit Tricks geht, eingedämmt werden kann. Natürlich ist es schade, wenn ein mit viel Herzblut erarbeiteter Effekt ruiniert wird — aber mal ehrlich: Wie naiv muss man sein, um nach der Behauptung paranormal begabt zu sein nicht mit dem Versuch eines Gegenbeweises zu rechnen? Wer diese Behauptung nicht aufstellt, muss auch nicht mit wutentbrannten Skeptikern rechnen — sonst würde die GWUP ja jede Zaubershow auseinandernehmen, die ihr in die Finger kommt.
Wer selbst weiß, wieviel Arbeit in diesen Effekten steckt und wieviele Kollegen die Effekte benutzen, wird sich damit zurückhalten, sie zu mißbrauchen und damit viel Mühe zunichte zu machen und es für andere unmöglich zu machen, legitim zu arbeiten.

Ein bisschen Ärger über das Ruinieren von Effekten sollte man sich also schon für diejenigen aufsparen, die eben diese Effekte für betrügerische Zwecke nutzen und damit deren Auflösung praktisch herausfordern — daß man den Betrug zum Wohle des Effekts ignoriert, ist wirklich ein bisschen viel verlangt. Auch die ‘Kollegen’, die gute Mine zum bösen Spiel machen, sind nicht ganz unschuldig.

Daß hier nichts erklärt wird, ist für mich auch völlig in Ordnung; das ist die Entscheidung der Betreiber. Aber über die Zusammenhänge sollte man schon nachdenken, statt pauschal sämtliche “Enthüllungen” zu verurteilen. Die geschehen wirklich nicht aus reiner Bosheit.

3. quantumduck Kommentar vom 18. Januar 2008 um 07:11

In der öffentlichen Auseinandersetzung ziehe ich das Florett dem Holzhammer vor.

Aber für “Zauberkünstler”, die eine üppig aufgemachte Show mit 30 halbackten Hupfdohlen für eine Wissenschaftssendung halten und sich mit Schaum vor dem Mund wie die Bilderstürmer selbst zum Narren machen, kann der Hammer gar nicht groß genug sein. Mitleidserregend.

Warum nicht etwas gelassener, vielleicht so:
http://de.youtube.com/watch?v=g1_1KYAYinQ

Oder so: http://de.youtube.com/watch?v=DNekdZ3iakY&feature=related

Markus Kompa

Autor des Telepolis-Artikels “Wie Uri Geller den Dritten Weltkrieg verhinderte.”
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24973/1.html

4. Markus Kompa Kommentar vom 18. Januar 2008 um 08:27

Hier wird von Betrug geschrieben. Ich möchte einmal schreiben, was denn überhaupt Betrug im Sinne des Gesetzes ist.
Der Betrug, § 263 StGB, zählt zu den so genannten Vermögensdelikten. Schutzgut ist das Vermögen als Ganzes in seinem Bestand. Ein Betrug ist unter folgenden Umständen gegeben: Eine Täuschung über Tatsachen muss zu einem Irrtum des Opfers führen, dieser Irrtum muss eine Vermögensverfügung auslösen, die wiederum einen Vermögensschaden entstehen lässt. Der Versuch ist ebenfalls strafbar.
Rein von der Sache kann also schon einmal gar nicht von Betrug gesprochen werden, denn niemand hat in irgend einer Art und Weise einen Vermögensschaden erlitten, wenn er diese Sendung sieht. Der Betrugsvorwurf ist also absurd. Und es gibt daher keinen Grund überhaupt Trickerklärungen zu veröffentlichen, um die Menschen vor Betrug schützen zu wollen. Hier schießen die sich als vermeidliche Heilsbringer der “Gläubigen”, die “Ungläubigen” wissen es doch sowieso, dass es da nichts Übernatürliches gibt, übers Ziel hinaus und setzen Kollegen, die von der Mentalzauberkunst leben, die Gefahr aus, ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Wenn also ein Herr Schmidt meint, er müsse Erklärungen im Stern veröffentlichen, dann hat er nur einem damit gedient: Dem Stern, wenn überhaupt, ein paar Leser mehr zu bringen und der Zauberkunst zu schaden. Die Enthüllungen eines Herrn Schmidt mögen keine reine Bosheit sein, jedoch darf man sie getrost als Dummheit bezeichnen.

Recht geben muss ich dem Autor, der da schreibt, dass jeder, der den Vertrag unterschrieben hat, mitverantwortlich ist.
Seinen Traum leben hin oder her, wer sich so aufs Glatteis begeben hat, wie die Teilnehmer, der muss auch mit harter Kritik innerhalb der Zauberszene leben können, so weit sie sachlich ist und nicht polemisiert wird, so wie es leider hier oft der Fall ist, was, wie ich schon in einem anderen Beitrag geschrieben habe, vermutlich langfristig dieser Seite eher schaden, als nützen wird. Doch zurück zur Sache.

Ich habe schon im Vorfeld, als die Redaktion von Constantin mich angerufen hat, sehr genau hinterfragt, um was es denn bei der Show geht, was erwartet wird usw usw. Ich bin dann, als man mich dann nach München zum Endcasting eingeladen hat, aus der Sache ausgestiegen, da auch schon im Umfeld sehr viel zu erfahren war, ebenfalls von anderen Kollegen, die teilnehmen sollten und abgesagt haben. Die Absagenquote muss schon im Vorfeld so hoch gewesen sein, dass die Damen der Redaktion dann gezielt auf Kongressen des MZvD (Vorentscheidungen für die DM)auch Normalzauberer gefragt haben, ob sie nicht auch Mentaltricks zeigen könnten. Diese hatten dann offenbar nichts besseres zu tun, als sich von der TV-Auftrittsmöglichkeit blenden zu lassen und, so wie es scheint, blind die Verträge unterschrieben haben.
Dass dann Herr Strothmann plötzlich als Mentalist dasteht, den ich ansonsten nur als Messezauberer oder Close upper im herkömmlichen Bereich der Zauberkunst kennengelernt habe und nur scheitern kann, dürfte klar sein und verwundert mich rein gar nicht.
Es ist richtig, dass man die Mentalkunststücke technisch sicher mit entsprechendem Fleiß erlernen kann, jedoch gehört aber genau dieser Fleiß und auch damit verbundener Zeitaufwand dazu, die Technik zu beherrschen.
Ich arbeite durch meinen Beruf mit Schauspielern zusammen und auch die waren entsetzt über so schlechte darstellerische Leistungen. Von den Kandidaten hat sich wohl niemand Gedanken gemacht, wie ein echter Übersinnlicher reagieren und agieren würde, wenn ein solcher diese Präsentationen durchführen würde.

Dies kann beispielsweise bei Herrn Strothmann überhaupt nicht der Fall gewesen sein, denn so wie er die Sache vorgeführt hat, hat er sich bestimmt niemals ordentlich mit dem Thema auseinandergesetzt, geschweige denn an einer Präsentation gearbeitet. Mir scheint,dass er geglaubt hat, dass einen Blind Fold Routine schnell einzuüben gewesen wäre. Die bittere Realität hat er und andere dann durch harte, jedoch meines Erachtens berechtigte Kritiken in Foren, Zeitungen und Blogs erfahren müssen.
Eines gibt mir jedoch einen Hoffnungsschimmer, dass alles sich im Laufe der Zeit zum Guten wenden wird.
Die Menschen haben die Eigenschaft, nach gewisser zeit die guten Dinge in Erinnerung zu behalten und die gab es, trotz aller Kritik, durch saubere Vorführungen ebenfalls.
Zurück bleibt das Ergebnis, dass die Zauberkunst endlich mal wieder zur besten Sendezeit im Fernsehen vertreten war und die Hoffnung, dass sich dies auf den Arbeitsmarkt der Mentalzauberkünstler positiv auswirken wird, was ich allerdings im derzeitigen Status Quo der Qualität einiger Kollegen und der daraus resultierenden Meinung potentieller Kunden verneinen würde.

5. Richard Hassler Kommentar vom 18. Januar 2008 um 09:28

Nachtrag:
Herr Schmidt ist übrigens Rechtsanwalt und da frage ich mich, ob er eigentlich nicht wissen müsste, was es mit den Voraussetzungen des Betruges auf sich haben müsste!!!!!

6. Richard Hassler Kommentar vom 18. Januar 2008 um 09:30

Kleine Randbemerkung zum Thema Betrug: Abseits der Gerichte werden Wörter ja Gott sei Dank nicht vom Gesetztestext definiert, sondern durch ihren Gebrauch.
Und jeder, der schon mal einen Brief von einem Anwalt hat lesen müssen, wird mir zustimmen, dass wir nicht zulassen dürfen, dass diese Zunft sich Sprachkompetenz anmaßt. ;)

7. herb Kommentar vom 18. Januar 2008 um 10:20

Danke für diesen Artikel.

Es ist in der Tat ein schmaler Grat, der von einigen TNUG-Künstlern aber leider auch von Aufklärern verlassen wird. Wobei, ich gestehe, nach Vincent Ravens geschmackloser und schmerzhaft anzusehender Scharlatanerie habe ich Verständnis für die, die an Trickverrat dachten. Und einige der Künstler lieferten eine solch desaströse Vorstellung, dass dies einem Trickverrat fast gleichkam.

Und herb kann ich nur zustimmen: Der eigentliche Medienskandal ist ist nicht TNUG, sondern dass der öffentlich-rechtliche Sender ZDF eine wichtige kritsche Sendung zu gefährlichen Scharlatanen “weggezaubert” hat.

8. Tribble Kommentar vom 18. Januar 2008 um 11:05

Danke für den Nachtrag!
Wie man mit den Menschen umgeht, die ohne genaue Erklärung nicht zu überzeugen sind, ist m.E. trotzdem eine haarige Sache — und ich glaube wirklich nicht, daß jemals jemand durch derartige “Enthüllungen” seine Lebensgrundlage verloren hat. Na gut, ausser derjenige war wirklich nicht in der Lage, den Ablauf etwas zu modifizieren, was meistens völlig ausreicht — jedenfalls für ein Publikum, das eine Show sehen will und nicht eine Séance… ;)
A propos Séance: Nach dem Tischerücken neulich musste ich an Harry Houdini denken. Dessen Shows bestanden letztendlich zu etwa 1/3 aus Enthüllungen von derartigen Tricks; die restlichen 2/3 waren selbst entwickelt (und ja: wer sie nachgeahmt hat, wurde verklagt. Geht aber eben nur mit eigenen Entwicklungen). Wer hat sich drüber aufgeregt? Praktisch nur Medien, die Trauernden nicht mehr so leicht Geld aus der Tasche ziehen konnten. Eine große Krise für Zauberer hat er damit nicht losgetreten. Also: Mehr Houdini, weniger Arthur Conan Doyle! :)

Zum Betrug — damit wollte ich mich natürlich nicht auf die Kandidaten der Geller-Show sondern auf Astrologen, Medien etc. beziehen, allerdings, wie herb schon sagt, nicht in der rechtlichen Definition. Obwohl die oft genug auch greift, finde ich. ;)

9. quantumduck Kommentar vom 18. Januar 2008 um 12:54

Eine Frage habe ich dann doch bezüglich des Nachtrages “Warum Du so böse bist”, der nun zu lesen ist.
Wenn Du nunmehr schreibst, dass Aufklärung bezüglich des Klarstellens der Natürlichkeit notwendig gewesen wäre, warum hast Du denn dann das Interview in der Bildzeitung so gescholten, weil dort zu lesen war, dass der “Übernatürlichkeitsfaktor gleich Null war” und die schlechte schauspielerischen Leistungen recht vage kritisiert hat und das auch noch zu Recht, wie Schauspielerkollegen es ebenfalls gesehen haben?
Man hätte er das ganze auch deutlicher sagen können. Ich bin da sicher, dass damit die Kollegen nur geschützt werden sollten.
Hätte nämlich die Bildzeitung z.B. diesen Schmidt um ein Interview gebeten, dann wäre da was ganz anderes rausgekommen, wie wir ja alle wunderbar im Stern nachlesen können.
Ich habe das Gefühl, dass hier einige Ansichten wohl revidiert worden sind oder wie kommt dieser patielle Sinneswandel?

Kommentar:
Der Beitrag zur Bildzeitung war von Hiob. Hier schreiben drei unterschiedliche ;-)

10. Richard Hassler Kommentar vom 18. Januar 2008 um 14:00

@herb
du hast recht das noch viel mehr schindluder betrieben wird. aber der vergleich hinkt leider etwas. denn bei pro7 sieben wird auf großer basis vermarktet, die wunderheiler haben solche (zum glück!) nicht. wetten das herr geller die show noch für eine eigenwerbung nutzt? (sofern sie nicht schon so zu verstehen ist)

@quantumduck
das spricht mir aus der seele!
ich denke das es guten zauberern nicht (kommerziell) wehtut wenn die tricks veraten werden (seelisch womöglich schon). die meisten leute vergessen doch eh wie sie funktionieren und mit einer guten(!) show kann man sie trotzdem vorführen.

auf der anderen seite glaube ich das zum gegenbeweis, das eben kein paranormales phänomen vorliegt, ein beweis nötig ist. sonst hätten wir ja nur die behauptung: das ist ein trick. behauptung gegen behauptung bringt wenig klarheit, ein beweis dagegen schon. wer glauben will glaubt selbstverständlich trotzdem ;) das die diskussionen im pro7 forum in persönliche beleidigungen abgleiten ist unterste schublade. vielleicht liegt es ja daran das pro7 auf kontroverse spekuliert hat, nach dem motto auch negative aufmerksamkeit ist aufmerksamkeit die man vermarkten kann… insofern können einem die teilnehmer leid tun.

11. Bee Kommentar vom 18. Januar 2008 um 15:02

@quantumduck
Einige sehr gute Punkte!
Ich glaube nicht, dass jeder Mensch überzeugt werden muss, geschweige denn überzeugt werden kann. Schließlich gibt es auch ein Recht auf eigene Ansichten (ob naiv oder sogar dumm oder nicht). Wer wirklich fest an das Paranormale glaubt, kann auch mit 1000 Trickerklärungen nicht bekehrt werden.
Den restlichen Zuschauern, gestehe ich genug Verstand zu, um sich über einen guten Mentalisten zu freuen, sich zu wundern, sogar zu zweifeln ob es echt war, aber eben nicht ihr Leben dadurch negativ verändern zu lassen.
Den Hinweis auf Houdini finde ich sehr interessant. Tatsächlich sind das die Wurzeln des echten Mentalismus. Mentalismus erwuchs aus dem Antispiritismus und verlief parallel zur Zauberkunst.
Um meine Position weiter zu verdeutlichen gebe ich zwei Beispiel für (meiner Meinung nach) perfekte mentalistische Präsentationen (beide historisch):
1.) Der amerikanische Mentalist Dr. Faust eröffnete seine Darbietungen mit den Worten: “Ich bin ein Lügner, ein Schumller und Betrüger. Und nun zeige ich Ihnen das Unmögliche.” Seine Präsentationen waren so stark, dass er sogar Skeptiker überzeugte. Aber er lies auch den Zweiflern ihren Platz.
2.) Das Mentalistenpaar The Pidingtons zeigte Mitte des letzten Jahrhunderts einen Zwei-Personen-Akt, bei dem Gedanken übermittelt wurden (sogar an Bord eines Flugzeuges), ohne dass die Beteiligen jemals ein Wort sprachen. Die Welt zweifelte, ob es Telepathie seien könne. Doch die Piddingtons behaupteten nie eine übernatürliche Fähigkeit zu besitzen. Das einzige was sie sagten, war am Ende einer Darbietung: “You are the judge!”.
Das sind die Mittelwege, die nur wahre Profis finden könne und die niemandem wehtun.

@Richard Hassler
Nein ich habe nicht meine Ansichten revidiert, sondern das ist der unterschied zwischen meinem Wunschdenken und meinem Bezug zur Realität. In meiner Idealvorstellung sollte diese ganze Aufklärerwelle den Unterhaltungskünstlern gegenüber unterbleiben, weil ich sie als harmlos ansehe. Das Denken würde ich gerne den Zuschauern überlassen, weil alle vernünftig und kritisch sein sollten aber auch einen Sinn für das wunderbare besitzen.
In der Realität ist mir aber bewusst, dass es neben naiven Menschen auch immer Kritiker geben wird, die mit Kanonen auf Spatzen schießen. Wenn diese es dann schon nicht lasse können, sollen sie aber wenigste nicht übertreiben. Man kann (und sollte wegen dem Recht auf freie Meinungsäußerung) Skeptiker nicht das Wort und damit das “Aufklären” verbieten. Ich gestehe ihnen sogar (zähneknirschend) die Erklärung von klassischen Grundeffekten zu. Nur die momentane Hetzjagd, bei der wirklich jeder Beteiligte durchgenommen wird halte ich für maßlos übertrieben.
Nicht zuletzt, weil sich die meisten der Gellernachvolger durch ihre schlechten Leistungen schon genug selber strafen.

Ich hoffe mein Punkt ist nun klar, freue mich aber über weitere Meinungen!

12. Ming Kommentar vom 18. Januar 2008 um 15:43

Nichts von dem, was du hier schreibst, ist vollends legitim. Es ist hingegen eine Entscheidung, die die auftretenden “Mentalisten” getroffen haben – mit Konsequenzen für alle Mitglieder der Zunft – leider, leider!

Um falsche Behauptungen zu widerlegen, sind Erklärungen leider nötig. Und allein schon deshalb bin ich stinksauer auf die Kandidaten.

Der Vergleich mit den SFX hinkt sowieso. Dort behauptet ja auch niemand, etwas Reales zu erschaffen.

Schau dir mal ein paar “making-of’s” an. Dort entlarven die Trickspezialisten ja auch einen Teil ihrer Methoden selbst, ganz freiwillig.

13. IT-Expert Kommentar vom 18. Januar 2008 um 15:51

@ quantumduck

Du schreibst: “Wenn man vertraglich zu solchen Aussagen gezwungen wird, weil man aus Naivität einen Vertrag einfach so unterschrieben hat, ist das schade.”

Was ist denn das für ein Quatsch?! Kennst Du die Verträge oder woher hast Du Dein “Wissen”. Ich habe so einen Vertrag gelesen. Und zwar wirklich, nicht meine Infos aus zweiter Hand von der Presse.
Da steht _nirgendwo_, dass die Kandidaten behaupten müssen, echt zu sein. Nirgendwo. Die Präsentation bleibt den Teilnehmern überlassen. (Klar, gibt es eine Regie, aber letztlich bestimmt jeder selbst, was er wie zeigt.)

Weiterhin schreibst Du:
“Aber man sollte bedenken, daß es durchaus junge Magier gibt, die diesen Vertrag aus genau diesen Gründen abgelehnt haben.”

Wieder Quatsch!
Ich weiß zwar nicht, wie viele “junge Magier”, die den Vertrag abgelehnt haben, es gibt, aber ich kenne _persönlich_ mehr als nur einen eben dieser “Vertragsablehner”.
Wie viele kennst Du? Ich bezweifle, dass es noch mehr gibt als die, die ich kenne.
Und die, die ich kenne haben den Vertrag zwar abgelehnt, aber _nicht_ aus dem Grund, den Du ihnen unterstellst.

Wie immer im Internet, geistert viel Halbwissen bzw. meist nur Fünftelwissen umher und alle schreien, dass sie am meisten über alels wissen.

_DAS_ nervt.

14. Junger Magier Kommentar vom 20. Januar 2008 um 16:12

@Junger Magier

Du behauptest, jeder der Teilnehmer entscheidet selbst, was und auf welche Art er in der Show zeigt.
Warum werden dann in jedem Land (Deutschland, Holland, USA & Israel) die gleichen “Tricks” gezeigt???

Ich persönlich liebe “Zaubervorstellungen” und bin jedes Mal aufs Neue begeistert, weil ich Zauberer(Magier) als unheimlich talentierte Künstler sehe. Man weiß von vornerein dass sie Tricks vorführen, man bewundert sie und ist über die Art der Ausführung verblüfft. Klar, wird gerätselt und überlegt wie der Trick gehen könnte, aber das ist eigentlich Sinn und Zweck der Sache, oder? Mir wäre noch in keiner einzigen dieser Zauber/Magier Vorstellungen aufgefallen, dass irgendeiner dieser tollen Künstler den Begriff “unerklärlich” erwähnt oder gar von “Phänomenen” gesprochen hat.

Pro7 hingegen „tituliert“ die Sendung „ The Next Uri Geller“ als Unerklärliche Phänomene. Das einzig „Unerklärliche“ an diesem Format ist folgendes:
Wo hat man nur diese auf „mystisch“ geschminkte „Möchtegern Magier“ nur gefunden, die:
1. allesamt extrem unsympathisch sind,
2. sich (fälschlicherweise) „übersinnliche Kräfte“ zuschreiben,
3. Ihre Performance schauspielerisch so unglaubwürdig darstellen, dass man jeder noch so niveaulosen „Talkshow“ mehr Glaubwürdigkeit schenken mag;-)
4. mit Ängsten und Trauer anderer Menschen (Christina Plate und Anni) so leichtsinnig umgehen, nur um sich bei der breiten Masse zu profilieren.
Und das soll Unterhaltung sein??? Nein, wirklich nicht!
P.S. An alle die befürchten, die Sendung könnte der „Branche“ schaden: Das glaube ich absolut nicht! Ich sehe es eher umgekehrt: Wir werden eher froh sein, nach dieser Sendung endlich mal wieder gute (talentierte) Zauberkünstler, bewundern zu können;-)

Liebe Grüße
Dana

15. Dana Kommentar vom 4. Februar 2008 um 08:31

@Junger Magier:

Spät, aber hab’ trotzdem nochmal vorbeigeschaut und frage mich jetzt, worüber Du dich so echauffierst. Erstmal offensichtlich über den begriff “junger Magier”. Den verwende ich in Anlehnung an das Originalposting (man scrolle mal kurz hoch).

“Ich habe so einen Vertrag gelesen. Und zwar wirklich, nicht meine Infos aus zweiter Hand von der Presse.”

Also lügen die Leute, die im Wortlaut zitiert werden? Komisch, daß die keine Gegendarstellung verlangen. Solange das nicht passiert, kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, derartige Aussagen nach Treu und Glauben zu akzeptieren. Vielleicht mal bei Gruner + Jahr nachfragen? (Jaja, jetzt kommen wieder die Hitlertagebücher dran. ;) ) Aber dem Kommentator eines blogs soll ich ohne weiteres glauben, daß er alle Teilnehmer des Castings kennt? Hm, naja. Wohlgemerkt: Ich bin auch der Presse gegenüber skeptisch, aber eben nicht nur der — und die hat ein paar Kontrollmechanismen mehr als Blogkommentare. Trotzdem bezeichne ich das, was Du schreibst, nicht pauschal als “Quatsch” oder beschwere mich über “Geschrei”.

Ich habe meine Meinung, ich verstehe Deine, ich finde nicht, daß auch nur eine der hier geäußerten Meinungen völlig illegitim ist. Also gaaanz ruhig, und guck’ Dir lieber mal an, was ansonsten alles mit paranormalen Behauptungen angestellt wird. DAS sollte nerven. ;)

16. quantumduck Kommentar vom 21. Februar 2008 um 00:53